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Gedichte, Lyrik und Balladen

Dieses Thema im Forum "Literatur, Lyrik, Poesie + Druckmedien" wurde erstellt von Kaschek, 14 Februar 2011.

  1. Wolle

    Wolle Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Die Schnupftabaksdose

    Es war eine Schnupftabaksdose,
    Die hatte Friedrich der Große
    Sich selbst geschnitzelt aus Nußbaumholz.
    Und darauf war sie natürlich stolz.

    Da kam ein Holzwurm gekrochen,
    Der hatte Nußbaum gerochen.
    Die Dose erzählte ihm lang und breit
    Von Friedrich dem Großen und seiner Zeit.

    Sie nannte den alten Fritz generös.
    Da aber wurde der Holzwurm nervös
    Und sagte, indem er zu bohren begann:
    "Was geht mich Friedrich der Große an!"


    Joachim Ringelnatz​
     


  2. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Der Walnussbaum

    Weiß du noch,
    wie wir im Herbst
    unter dem großen Walnussbaum saßen
    und ungeduldig darauf
    warteten das Nüsse herabfielen ?

    Wenn wir uns unbeobachtet fühlten,
    schlugen wir mit Knüppeln
    gegen die Äste, um dem Fallen
    der Nüsse nachzuhelfen.
    Eigendlich schmeckten die Nüsse noch gar nicht,
    aber wir waren doch Kinder
    und Walnussbäume waren selten.

    von Annegret Kronenberg
    gefunden bei gedicht-garten.de - Informationen zum Thema gedicht garten.
     
  3. Wolle

    Wolle Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Antwort eines trunknen Dichters

    Ein trunkner Dichter leerte
    Sein Glas auf einen Zug;
    Ihn warnte sein Gefährte:
    Hör' auf! du hast genug.

    Bereit vom Stuhl zu sinken,
    Sprach der: Du bist nicht klug;
    Zu viel kann man wohl trinken,
    Doch nie trinkt man genug.


    Gotthold Ephrahim Lessing
     
  4. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Der höhere Frieden

    Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen
    Menschen waffnen auf der Zwietracht Ruf
    Menschen, die im Busen tragen,
    Herzen, die Gott der Liebe schuf.

    Denk´ ich können sie mir doch nichts rauben,
    Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
    Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
    Der dem Hasse wie dem Schrecken wehrt.

    Nicht des Ahorns dunklem Schatten wehren,
    Der er mich im Weizenfeld erquickt,
    Und das Lied der Nachtigallen stören,
    Der den stillen Busen mir entzückt.

    Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist
    heute vor 200 Jahren verstorben
     
  5. Wolle

    Wolle Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Knecht Ruprecht

    Ein Gedicht von Theodor Storm (1817-1888)

    Von drauss' vom Walde komm ich her;
    Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

    Allüberall auf den Tannenspitzen
    sah ich goldene Lichtlein sitzen;

    Und droben aus dem Himmelstor
    sah mit grossen Augen das Christkind hervor;

    Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
    da rief's mich mit heller Stimme an:

    "Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
    hebe die Beine und spute dich schnell!

    Die Kerzen fangen zu brennen an,
    das Himmelstor ist aufgetan,

    Alt' und Junge sollen nun
    von der Jagd des Lebens einmal ruhn;

    Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
    denn es soll wieder Weihnachten werden!"

    Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
    meine Reise fast zu Ende ist;

    Ich soll nur noch in diese Stadt,
    wo's eitel gute Kinder hat."

    - "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
    Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:

    Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
    essen fromme Kinder gern."

    - "Hast denn die Rute auch bei dir?"
    Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;

    Doch für die Kinder nur, die schlechten,
    die trifft sie auf den Teil, den rechten."

    Christkindlein sprach:" So ist es recht;
    So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"

    Von drauss' vom Walde komm ich her;
    Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!

    Nun sprecht, wie ich's hier innen find!
    Sind's gute Kind, sind's böse Kind?
     
  6. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Advent

    Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
    Schneeflöcklein leis herniedersinken.
    Auf Edeltännlein grünem Wipfel
    häuft sich ein kleiner Zipfel.
    Und dort vom Fenster her durchbricht
    den dunklen Tann ein warmes Licht.
    Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
    die Försterin im Herrenzimmer.
    In dieser wunderschönen Nacht
    hat sie den Förster umgebracht.
    Er war ihr bei des Heimes Pflege
    seit langer Zeit schon sehr im Wege.
    So kam sie mit sich überein:
    am Niklasabend muß es sein.
    Und als das rehlein ging zur Ruh;
    das Häslein tat die Augen zu,
    erlegte sie direkt von vorn
    den Gatten über Kimm und Korn.
    Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
    zwei-,drei,viermal die Schnuppernase
    und ruhet weiter süß im Dunkeln,
    derweil die Sternlein traulich funkeln.
    Und in der guten Stube drinnen
    da läuft des Försters Blut von hinnen.
    Nun muß die Försterin sich eilen,
    den Gatten sauber zu zerteilen.
    Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
    nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.
    Voll Sorgfallt liegt sie Glied auf Glied
    (was der Gemahl bisher vermied)-,

    behält ein Teil filet zurück
    als festtägliches Bratenstück
    und packt zum Schluß, es geht auf vier
    die Reste in Geschenkpapier.
    Da tönt`s von fern wie Silberschellen,
    im Dorfe hört man Hunde bellen.
    Was ist`s der in so tiefer Nacht
    im Schnee noch seine Runde macht ?
    Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
    auf einem Hirsch herangeritten !
    >> He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
    die armen Menschen Freude machen ?<<
    Des Försters Haus ist tief verschneit,
    doch seine Frau steht schon bereit:
    >>Die sechs Pakete, heil`ger Mann,
    `sist alles, was ich geben kann.<<
    Die Silberschellen klingen leise,
    Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
    Im Försterhaus die Kerze brennt,
    ein Sternlein blinkt - es ist Advent.

    LÖRIOT´s
    HEILE WELT

     
  7. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Schnell , schnell -
    das ist keine Reise. Reisen heißt,
    sich Zeit zu nehmen.
    Aus Afrika


    [​IMG]


    Manchmal braucht man jemanden,
    der einem bremst und auf die schönen Dinge
    am Wegesrand hinweist.

    [​IMG][​IMG][​IMG][​IMG]
     
  8. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    DOKTOR
    ERICH KÄSTNER
    LYRISCHE
    HAUSAPTHEKE[​IMG] Gstebuchbilder - GB Pics - Jappybilder - GBpics.eu


    Wen hätt nicht schon
    der Traum gepackt

    Daß er dahinläuft
    Splitternackt -

    Sich furchbar schämt

    und doch so tut

    Als liefe er recht frohgemut

    Ganz ohne Ängste vor
    all den Leuten

    Die schon mit Fingern
    auf ihn deuten
    Wer reicht ihm einen
    Lendenschutz ?

    Wer gibt ihn frei das
    Traumes Wurz ?

    Hatts einen <Sinn
    nach dem Erwachen

    Der Welt den Traum
    bekannt zu machen ?

    Wird seine Frau
    ihn recht verstehn

    Soll er er zum Therapeuten gehn

    Soll er Freud und
    Adler schlürfen


    Vielleicht verrät der
    Mensch als Nackter


    seinen einzig wahren Charakter.


    .
    Erschienen im Atrium Verlag, Zürich 1936
    Umschlag von Manfred Limmroch
    unter Verwendung einer Zeichnung
    von Walter Trier
    Geschamtherstellung Ebner Ulm
    Printet in Germany 1994
    ISBEN 3-85535-917-2
     
  9. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen



    Ich habe dich so lieb

    Ich habe dich so lieb !
    Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem
    Ofen schenken

    Ich habe dir nichts getan
    Nun ist mir traurig zu Mut.
    An den Hängen der Eisenbahn .
    Leuchtet der Ginster so gut

    Vorbei - verjährt
    Doch nimmer vergessen
    Alles was lange währt ist leise

    Die Zeit entstellt alle Lebewesen
    Ein Hund bellt.
    Er kann nicht lesen
    Er kann nicht schreiben
    Wir können nicht bleiben.

    Ich lache
    Die Löcher sind die Hauptsache
    An einem Sieb
    Ich habe dich so lieb.


    Joachim Ringelnatz
     
  10. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Im Vorfrühling

    Im März ein Sonnentag
    Verheissungsvoll und schön
    Die Luft voll Amselschlag
    Und lieblichem Getön

    Noch zeigt sich keine Spur
    Von Grün und Blumen sich
    Und auf des Waldes Flur
    Nur Laub das längsdt verblich


    Doch weht so ahnungsreich
    Die milde Sonnenluft
    Und auf dem Baumgezweig
    Liegt´s wie ein zarter Duft

    Noch schläft der Wald gelind
    Doch regt sie sich schon still
    Gleich einem Wiegenkind
    Wenn es erwachen will

    [​IMG] Gstebuchbilder - GB Pics - Jappybilder - GBpics.eu
     
  11. Wolle

    Wolle Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Frühlingsahnen

    Wohlig merken unsre Sinne
    Nun den Frühling allgemach,
    Denn es trauft aus jeder Rinne,
    und es tropft von jedem Dach.

    Leise regt sich im Theater
    Dieser Welt ein Liebeston;
    Nächtens schreien viele Kater,
    Und der Hase rammelt schon.

    So auch uns ergreift die Glieder
    Wundersame Lebenskraft;
    Selbst solide Seifensieder
    Fühlen ihren Knospensaft.

    Treiben das Geschäft der Paarung!
    Lasset der Natur den Lauf!
    Denn ihr wisset aus Erfahrung,
    Einmal hört es leider auf.


    Ludwig Thoma
     
  12. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    [​IMG] Gstebuchbilder - GB Pics - Jappybilder - GBpics.eu



    Sonntag

    Wie lieb ich es, an Sonntagnachmittagen
    Allein zu sitzten im vertrauten Zimmer
    Durch´s Fenster bricht der Sonne heller Schimmer
    Das Buch vergoldet was ich aufgeschlagen

    Die Straßen leer, es rollen keine Wagen
    Des Marktes Lärm verstummt, als wärs für immer
    Und all des Sonntagsstatus bunter Flimmer
    Er war hinaus in Wald und Flur getragen

    Verlassen fühlt sich wer zurückgeblieben
    Und manches schönes Auge blickt verdrossen
    Und manche Wünsche unerfüllt zerstieben

    Es ruht das Leben wie in sich zerflossen
    Doch still erfüllt sich auch geheimes Lieben Und einsam wird des Geistes Glück genossen

    Ferdinant von Saar
     
  13. Elinda

    Elinda Benutzer

    AW: Gedichte, Lyrik und Balladen

    Meine absolute Lieblingsballade

    Barbara Allen

    Es war im Herbst, im bunten Herbst,
    Wenn die rotgelben Blätter fallen,
    Da wurde John Graham vor Liebe krank,
    Vor Liebe zu Barbara Allen.
    Seine Läufer liefen hinab in die Stadt
    Und suchten, bis sie gefunden:
    »Ach unser Herr ist krank nach dir,
    Komm, Lady, und mach' ihn gesunden.«
    Die Lady schritt zum Schloss hinan,
    Schritt über die marmornen Stufen,
    Sie trat ans Bett, sie sah ihn an:
    »John Graham, du ließest mich rufen.«
    »Ich ließ dich rufen, ich bin im Herbst
    Und die rotgelben Blätter fallen,
    Hast du kein letztes Wort für mich?
    Ich sterbe, Barbara Allen.«
    »John Graham, ich hab' ein letztes Wort,
    Du warst mein All und Eines;
    Du teiltest Pfänder und Bänder aus,
    Mir aber gönntest du keines.
    John Graham, und ob du mich lieben magst,
    Ich weiß, ich hatte dich lieber,
    Ich sah nach dir, du lachtest mich an
    Und gingest lachend vorüber.
    Wir haben gewechselt, ich und du,
    Die Sprossen der Liebesleiter,
    Du bist nun unten, du hast es gewollt
    Ich aber bin oben und heiter.«
    Sie ging zurück. Eine Meil' oder zwei,
    Da hörte sie Glocken schallen;
    Sie sprach: Die Glocken klingen für ihn,
    Für ihn und für - Barbara Allen.
    »Liebe Mutter mach ein Bett für mich,
    Unter Weiden und Eschen geborgen;
    John Graham ist heute gestorben um mich
    Und ich sterbe um ihn morgen.«
    Theodor Fontane (1855)
     
  14. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    [​IMG]

    Ich war mir treu

    Ich war mit treu !

    Ich war mit treu bis in die Knochen,
    bis auf ein paar wenige Male.
    Doch ich hatte meine Sehnsüchte veruntreut.
    Sie passten nicht ins Bild.
    Irgendwann vergaß ich sehnsüchtig zu sein,
    bis auf einma mein Herz anfing sich eingesperrt zu fühlen
    und meine veruntreute Sehnsucht weinte

    Da war sie die Verschollene
    ich wollte sie nicht fühlen
    ich war ihr untreu
    doch meine ganze Liebe gehörte ihr,
    mit all meinen Sinnen.
    Wir freuten uns, uns zu spüren
    mehr als zuvor
    denn wir beide sind Er - wachsen geworden

    irmi
     
  15. Gast508

    Gast508 Guest

    Was es ist ...

    Es ist Unsinn
    sagt die Vernunft
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe.

    Es ist Unglück
    sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz
    sagt die Angst.
    Es ist aussichtslos
    sagt die Einsicht
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe.

    Es ist lächerlich
    sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig
    sagt die Vorsicht.
    Es ist unmöglich
    sagt die Erfahrung
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe.


    Erich Fried

     
  16. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    Schein und Sein

    Mein Kind es si
    nd allhier die Dinge
    Gleichwohl ab g
    roße , ob geringe
    Im wesentlichen so verpackt
    Das man sie nicht wie Nüsse knackt

    Wie wolltest du dich unterwinden
    Kurzweg die Menscheit zu ergründen
    Du kennst sie nur von außenwärtz
    Du siehst die Weste nicht das Herz

    WILHELM BUSCH


    P.S.manchmal schimmert aber etwas durch
     
  17. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    Und hier mal ein vertonter Text
     
  18. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    einige Dinge des Lebens ändern sich weniger als wir denken :D
    Ein Karnevalsgedicht von Wilhelm Busch zeigt es

    Auch uns, in Ehren sei’s gesagt,
    Hat einst der Karneval behagt,
    Besonders und zu allermeist
    In einer Stadt, die München heißt.

    Wie reizend fand man dazumal
    Ein menschenwarmes Festlokal,
    Wie fleißig wurde über Nacht
    Das Glas gefüllt und leer gemacht,
    Und gingen wir im Schnee nach Haus,
    War grad die frühe Messe aus,
    Dann können gleich die frömmsten Frau’n

    Sich negativ an uns erbau’n.
    Die Zeit verging, das Alter kam,
    Wir wurden sittsam, wurden zahm.
    Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
    Die Sach’ uns an, doch nur von fern
    (Ein Auge zu, Mundwinkel schief)
    Durchs umgekehrte Perspektiv.



    Wilhelm Busch (1832-1908)
     
  19. irmi_Keller

    irmi_Keller Bekanntes Mitglied

    [​IMG]
    dreamies.de

    Altes Kaminstück

    Draußen ziehen weiße Flocken
    Durch die Nacht, der Sturm ist laut
    Hier im Stübchen ist es trocken
    Warm und einsam still vertraut

    Sinnend sitzt ich auf dem Sessel
    An dem knisternden Kamin
    Kochend summt der Wasserkessel
    Längst verklungene Melodien

    Und ein Kätzchen sitzt daneben
    Wärmt die Pfötchen an der Glut
    Und die Flammen weben, schweben
    Wundersam wird mir zu Mut

    Dämmernd kommt heraufgstiegen
    Manche längst vergangne Zeit
    Wie mit bunten Maskenzügen
    Und verblichner Herrlichkeit

    Schöne Fraun, mit kluger Miene
    Winken süßgeheimnissvoll
    Und dazwischen Harlekine
    Springen lachen lustig toll

    Ferne grüßen Marmorgötter
    Traumhaft neben ihnen stehn
    Märchenblumen deren Blätter
    In dem Mondenlichte wehn

    Wankelnd kommt herbeigeschwommen
    Manches alte Zauberschloß
    Hintendrein geritten kommen
    Blanke Ritter, Knappentross

    Und das alles zieht vorrüber
    Schattenhastig übereilt
    Ach !
    da kocht der Kessel über
    Und das nasse Kätzchen schreit

    Heinrich Heine 1797 - 1856
     
  20. Sonnenschein

    Sonnenschein Moderator Mitarbeiter




    Balladen :)



    LG Malgosia
    Ƹ̵̡Ӝ̵5
    .(ړײ)
    .«▓»✿
    ..╝╚ 
     
  21. Gast4563

    Gast4563 Guest

    Lichtlein auf der Wiese
    Lichtlein auf der Wiese
    blas' ich alle aus,
    und es fliegen Sternchen
    in die Welt hinaus,
    schweben in der Sonne,
    schweben auf und nieder.
    Nächstes Jahr zur Frühlingszeit
    gibt's neue Lichtlein wieder. —
    Doch zuerst, du wirst es seh'n,
    wird die Wiese, wird die Wiese
    ganz in Gold, in Golde steh'n.
    E. Vogel
     
  22. Gast4563

    Gast4563 Guest

    Löwenzahn

    Löwenzahn ist schon seit jeher
    als höchst kriegerisch verschrien,
    denn er lässt bei gutem Winde
    Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.
    Und ich sitz auf der Veranda
    und verzehre meine Suppe
    und entdecke in derselben
    zwei Versprengte dieser Truppe.

    *Heinz Erhardt (1909-1979)*
    -----------------------------------------------------------

    Verblühter Löwenzahn

    Wunderbar
    stand er da im Silberhaar.
    Aber eine Dame,
    Annette war ihr Name,
    machte ihre Backen dick,
    machte ihre Lippen spitz,
    blies einmal, blies mit Macht,
    blies ihm fort die ganze Pracht.
    Und er blieb am Platze
    zurück mit einer Glatze.

    *Josef Guggenmos, (1922-2003)*
     
  23. Sonnenschein

    Sonnenschein Moderator Mitarbeiter





    LG Małgosia
    Ƹ̵̡Ӝ̵5
    .(ړײ)
    .«▓»✿
    ..╝╚
     
  24. Sonnenschein

    Sonnenschein Moderator Mitarbeiter

    Geschrieben am 29.12.2010

    Mein eigenes Gedicht

    "Frühling"✿
    Der Frühling ist die schönste Zeit,
    Alles fängt zu blühen an weit und breit,
    im warmen Sonnenschein.
    Langsam schmilzt der letzte Schnee,
    es grünt auf den Dünen,
    es blinkt das Meer.
    Veilchen, Krokusse und Narzissen verströmen süßen Duft,
    wir Menschen riechen das in der Luft.
    Der Wind hält sich zurück,
    bläst nicht in einem Stück.
    Pustet ins Gesicht frische Brise,
    langsam wird alles grün, auch die Wiese.
    Man spürt und sieht den Frühling in allen Ecken,
    die Luft ist mild,
    man kann ihn schmecken.
    Es ist wieder ein Naturwunder geschehen,
    könnt ihr den Frühling auch sehen?
    Man muß in Frühling sich nicht beeilen
    sich umsehen,besinnen
    und auch mal verweilen.
    Einfach die Augen schließen
    und die Frühlingsluft genießen.
    Was für ein Glück, was für ein tolles Gefühl,
    die Augen leuchten, das Herz schlägt schneller,
    die Tage werden heller.
    Man seufzt leicht,hört Vogelgesang,
    die älteren Menschen setzen sich öfter auf die Bank.
    Man stellt sich bewußte Fragen.
    Der Frühling ist eine wunderbare Zeit,
    kann man schon sagen.
    Man ist von einen herrlihen Gefühl durchdrungen,
    am liebsten hätte man Lieder gesungen.
    Ich nehme den Frühling sehr wahr,
    der ist bei mir so nah.
    Manchmal kommen Kindheitserinnerungen,
    man ist in Frühlingsgefühlen verschlungen.
    Ich möchte wie damals:
    Blümchen pflücken,Kränze binden und einfach Träumen...
    nichts im Leben versäumen.
    Auf der Wiese zum Himmel schauen,
    in den Träumen die Zukunft bauen.
    Małgosia【ツ】 ♥ ♪.♫ ♪.
     
  25. noeppe

    noeppe Bekanntes Mitglied

    Beim Zahnarzt (Eugen Roth)


    Nicht immer sind bequeme Stühle

    ein Ruheplatz für die Gefühle.

    Wir säßen lieber in den Nesseln,

    als in den wohlbekannten Sesseln,

    vor denen - sauber und vernickelt -

    der Zahnarzt seine Kunst entwickelt.

    Er lächelt ganz empörend herzlos

    und sagt, es sei fast beinah schmerzlos.

    Doch leider, unterhalb der Plombe,

    stößt er auf eine Katakombe,

    die, wie er mit dem Häkchen spürt

    in unbekannte Tiefen führt.

    Behaglich schnurrend mit dem Rädchen

    dringt vor er bis zum Nervenfädchen.

    Nun zeige, Mensch, den Seelenadel!

    Der Zahnarzt prüft die feine Nadel,

    mit der er alsbald dir beweist,

    dass du voll Schmerz im Innern seist.

    Du aber hast ihm zu beweisen,

    dass du im Ãußern fest wie Eisen.

    Nachdem ihr dieses euch bewiesen,

    geht er daran, den Zahn zu schließen,

    Hat er sein Werk mit Gold bekrönt,

    sind mit der Welt wir neu versöhnt

    und zeigen (noch im Aug' die Träne)

    ihr furchtlos wiederum die Zähne,

    die wir (ein Prahlhans, wer's verschweigt)

    dem Zahnarzt zitternd nur gezeigt.
     
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